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Jarosch Sanitär

Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit meinen alten Heizkörpern?

Warum die meisten Altbaubesitzer keine Fußbodenheizung nachrüsten müssen, um auf eine Wärmepumpe umzusteigen Von Ralf Jarosch | Fa. Jarosch Inh. Ralf Jarosch – Energiewende für dein Zuhause

In den meisten Häusern: ja. Deine bestehenden Heizkörper bleiben in aller Regel drin, wenn du auf eine Wärmepumpe umsteigst. Kein Aufreißen des ganzen Hauses, keine Fußbodenheizung, keine Baustelle über Wochen. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall.

Ich sitze fast jede Woche bei jemandem am Küchentisch, der mir mit genau dieser Sorge gegenübersitzt: „Bei mir geht das doch nicht, ich hab noch die alten Heizkörper von 1978.“ Und fast jedes Mal zeigt die Heizlastberechnung etwas anderes, als die Angst vermuten lässt. Die alten Heizkörper aus dieser Zeit sind oft großzügiger dimensioniert, als man heute bauen würde. Genau das arbeitet für dich, nicht gegen dich.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bestehende Heizkörper müssen in den meisten Altbauten nicht komplett ersetzt werden, um eine Wärmepumpe wirtschaftlich zu betreiben.
  • Wichtig ist nicht das Baujahr des Hauses, sondern die nötige Vorlauftemperatur des Heizkreises.
  • Bleibt die Vorlauftemperatur unter etwa 55 Grad, arbeiten klassische Heizkörper mit einer Wärmepumpe zuverlässig zusammen.
  • Ob ein einzelner Heizkörper zu klein ist, klärt eine raumweise Heizlastberechnung, kein Bauchgefühl.
  • Auch Einrohrsysteme lassen sich mit der richtigen Planung wärmepumpentauglich machen.

Warum sich diese Sorge so hartnäckig hält

Ich kann das gut nachvollziehen. Die meisten Hausbesitzer haben irgendwo aufgeschnappt, dass eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung braucht, weil sie nur mit niedrigen Temperaturen arbeitet. Das stimmt für Neubauten meistens, aber es wird als Grundregel für jedes Haus weitererzählt, bis daraus ein Mythos wird, der Sanierungen verhindert, die eigentlich problemlos wären.

Das Ergebnis: Hausbesitzer schieben die Entscheidung raus. Die alte Öl- oder Gasheizung läuft weiter, obwohl sie längst ihr Alter erreicht hat, weil die Vorstellung im Kopf steht, das ganze Haus müsse zur Baustelle werden. Diese Sorge ist real, und sie kostet Zeit, die eigentlich für den Umstieg genutzt werden könnte, bevor die alte Anlage ausfällt und der Wechsel unter Zeitdruck passieren muss.

Dazu kommt eine zweite Verwechslung, die ich genauso oft höre: die Verwechslung von Wärmepumpe und Heizkörper mit Wärmepumpe und Fläche. Eine Fußbodenheizung ist eine Möglichkeit, mit sehr niedrigen Temperaturen zu arbeiten, aber sie ist nicht die einzige. Ein ausreichend großer Heizkörper leistet bei niedriger Vorlauftemperatur oft genau das, was eine Fußbodenheizung auch leistet, nur eben über eine kleinere Fläche mit mehr Leistung pro Quadratmeter. Wer das einmal verstanden hat, stellt sich die Ausgangsfrage schon anders: nicht „Fußbodenheizung ja oder nein“, sondern „reicht die Fläche meines vorhandenen Heizkörpers“.

Die Wärmepumpen-Feldstudien der letzten Jahre zeichnen ein anderes Bild. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat über vier Jahre 77 Wärmepumpenanlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern vermessen, viele davon in Gebäuden aus der Zeit vor 1990, einige sogar aus dem 19. Jahrhundert. Ein Ergebnis dieser Untersuchung sticht besonders heraus: Ein Zusammenhang zwischen dem Baujahr des Gebäudes und der erreichten Effizienz der Wärmepumpe ließ sich nicht feststellen. Nicht das Alter des Hauses bestimmt, ob eine Wärmepumpe funktioniert, sondern das, was am Heizkörper ankommt.

Das ist die Nachricht, die bei den meisten Beratungsgesprächen für die größte Erleichterung sorgt. Wer ein Haus aus den Siebzigern besitzt, geht oft davon aus, in einer schlechteren Ausgangslage zu sein als der Nachbar mit dem Neubau. Die Messdaten zeigen: Das stimmt so pauschal nicht. Ein unsaniertes Haus mit passenden Heizkörpern kann eine bessere Jahresarbeitszahl erreichen als ein teilsaniertes Haus mit unterdimensionierten Heizkörpern. Die Dämmung spielt eine Rolle, aber sie ist nicht der einzige und nicht immer der wichtigste Faktor.

Was die Messdaten wirklich zeigen

Hier wird es konkret, denn genau darauf kommt es an, wenn du die Entscheidung für dein eigenes Haus treffen willst.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpen im Fraunhofer-Feldtest erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4, ein früheres Vorgängerprojekt kam noch auf 3,1. Die Erdwärme-Systeme lagen im Mittel bei 4,3. Diese Zahl beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme pro eingesetzter Kilowattstunde Strom über das ganze Jahr geliefert werden. Was diese Werte in der Praxis erst zeigen: Die untersuchten Häuser mussten für diese Ergebnisse nicht auf Neubaustandard gedämmt werden. Ein Teil der Gebäude war noch komplett unsaniert.

Der zweite Wert aus der Studie ist für deine Heizkörperfrage der wichtigere: Die durchschnittliche Vorlauftemperatur, die diese Häuser im Betrieb brauchten, lag bei den Luft-Wärmepumpen bei knapp 44 Grad. Das liegt deutlich unter der oft genannten Schwelle von 55 Grad, ab der klassische Heizkörper an ihre Grenze kommen. Der Grund ist einfach nachzuvollziehen: Viele Heizkörper aus den 1970er- und 1980er-Jahren wurden mit reichlich Puffer geplant, weil damals niemand so genau rechnete wie heute. Diese Überdimensionierung ist heute dein Vorteil.

Ein Blick auf die Physik dahinter hilft, das besser einzuordnen. Ein Heizkörper gibt bei niedrigerer Vorlauftemperatur weniger Leistung ab als unter Normbedingungen, oft nur noch 50 bis 80 Prozent der ursprünglichen Nennleistung. Klingt erstmal nach einem Problem. Ist es aber meistens nicht, weil viele Altbau-Heizkörper mit so viel Reserve gebaut wurden, dass selbst die reduzierte Leistung noch ausreicht, um den Raum warm zu bekommen. Genau das lässt sich nicht schätzen, das muss man nachrechnen. Und genau dafür gibt es die raumweise Heizlastberechnung.

Für die schnelle Einschätzung zu Hause gibt es eine einfache Methode, den 55-Grad-Test: An einem kalten Wintertag den Vorlauf testweise auf 50 bis 55 Grad senken und alle Thermostate voll aufdrehen. Wird es in jedem Raum trotzdem warm, ist das ein starkes Zeichen dafür, dass deine Heizkörper mit einer Wärmepumpe zurechtkommen. Diese Methode ersetzt keine Berechnung, aber sie zeigt dir in wenigen Stunden, in welche Richtung die Antwort für dein Haus geht.

Auch der Blick auf die Praxis bestätigt das: Nach Branchenauswertungen mussten bei nur rund acht Prozent der Wärmepumpen-Umstiege überhaupt einzelne Heizkörper getauscht werden. Nicht das ganze Haus, einzelne Räume. Meistens die, in denen ein zu kleiner Heizkörper verbaut wurde oder in denen die Dämmung schlechter ist als im Rest des Hauses.

So gehen wir das bei dir konkret an

Genau das ist der Punkt, an dem ich mit Kunden immer wieder erlebe, wie sich die Anspannung löst. Sobald klar wird, dass es nicht ums große Ganze geht, sondern um wenige, klar benennbare Räume, wird aus einem diffusen Bauprojekt eine überschaubare Aufgabe.

Wir denken in Systemen, nicht in Produkten. Das heißt für deine Heizkörperfrage: Wir schauen nicht auf ein einzelnes Bauteil, sondern auf das Zusammenspiel von Gebäude, Heizkörpern, Wärmepumpe und, wenn vorhanden, Photovoltaik und Speicher. Der erste Schritt ist bei uns immer die Analyse der Ausgangssituation, gefolgt von der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Diese Berechnung zeigt Raum für Raum, wieviel Wärme wirklich gebraucht wird und ob der vorhandene Heizkörper das bei einer niedrigen Vorlauftemperatur leisten kann.

Reicht ein Heizkörper nicht, tauschen wir gezielt genau diesen einen aus, gegen ein Modell mit mehr Fläche oder gegen einen speziellen Wärmepumpen-Heizkörper mit Ventilatorunterstützung. Der Rest des Hauses bleibt unangetastet. Bei einem unserer Altbau-Projekte im Einrohrsystem waren am Ende zwei von vierzehn Heizkörpern betroffen, alle anderen liefen unverändert weiter, nur mit einem neuen hydraulischen Abgleich, damit die Wärme gleichmäßig im ganzen Haus ankommt.

Zu Einrohrsystemen noch ein eigenes Wort, weil hier oft die größte Skepsis sitzt: Einrohrheizungen gelten als schwieriger, weil das Wasser von Heizkörper zu Heizkörper durchläuft und dabei abkühlt. Der letzte Heizkörper in der Reihe bekommt spürbar kühleres Wasser als der erste, das war schon mit der alten Öl- oder Gasheizung so. Mit einer sauberen hydraulischen Planung, teils mit einem Umbau auf ein Zweirohr-Teilstück in kritischen Bereichen, lassen sich auch diese Systeme wärmepumpentauglich machen. Es ist mehr Planungsarbeit, aber kein Ausschlusskriterium.

Was das Ganze kostet, ist die nächste Frage, die fast automatisch folgt. Ein gezielter Austausch von zwei oder drei Heizkörpern liegt in einer ganz anderen Größenordnung als eine komplette Umrüstung des Hauses. Dazu kommt die raumweise Heizlastberechnung, die für ein Einfamilienhaus meist im mittleren dreistelligen Bereich liegt, und der hydraulische Abgleich, der ohnehin zur sauberen Inbetriebnahme jeder neuen Wärmepumpe gehört. Für einen Teil dieser Kosten gibt es einen Zuschuss über die BAFA-Heizungsoptimierung, für einen weiteren Teil über die Förderung für die Wärmepumpe selbst. Wir rechnen das für jedes Haus einzeln durch, bevor irgendetwas bestellt wird, damit du vorher weißt, womit du planen kannst.

Was bei uns nie passiert: Wir empfehlen keinen Komplettaustausch, nur weil er einfacher zu verkaufen wäre. Die richtige Lösung ist wichtiger als die teuerste Lösung. Ein Kunde wollte kürzlich seinen Speicher von 10 auf 15 Kilowattstunden erweitern, obwohl uns das mehr Umsatz gebracht hätte, haben wir davon abgeraten, weil es wirtschaftlich keinen Sinn ergab. Wochen später hat er sich genau dafür bedankt. Diese Haltung übertragen wir eins zu eins auf deine Heizkörperfrage: Nur tauschen, wo es die Zahlen wirklich hergeben.

Am Ende einer sauberen Planung stehen Anlagen wie die, die wir regelmäßig umsetzen, mit Jahresarbeitszahlen von 4,5 und mehr, kombiniert mit Photovoltaik, Speicher und Wallbox zu einem System, das Energie dort einsetzt, wo sie den größten Nutzen bringt. Das ist am Ende auch der Unterschied zwischen einem einzelnen Bauteil, das ausgetauscht wird, und einem Haus, das über die nächsten zwanzig Jahre wirklich unabhängiger und günstiger im Betrieb wird. Genau das meinen wir, wenn wir sagen: Wir verkaufen keine Heizung. Wir planen ein intelligentes Heizsystem.

Häufige Fragen

Muss ich wirklich alle Heizkörper austauschen?

Nein. In den meisten Häusern bleibt der Großteil der Heizkörper drin. Eine raumweise Heizlastberechnung zeigt, welche einzelnen Heizkörper zu klein sind. Nach Branchenzahlen betrifft das im Schnitt nur rund acht Prozent aller Heizkörper in einem Wärmepumpen-Projekt.

Was ist der 55-Grad-Test genau?

An einem kalten Tag senkst du den Vorlauf testweise auf 50 bis 55 Grad und öffnest alle Thermostate voll. Wird es überall warm, spricht das dafür, dass deine Heizkörper mit einer Wärmepumpe zurechtkommen. Er ersetzt keine Berechnung, gibt dir aber eine erste, ehrliche Einschätzung.

Funktioniert das auch bei mir mit einem Einrohrsystem?

Ja, mit der passenden Planung. Einrohrsysteme brauchen mehr Aufmerksamkeit beim hydraulischen Abgleich, weil das Wasser von Heizkörper zu Heizkörper abkühlt. Ein Ausschlusskriterium für die Wärmepumpe ist das Einrohrsystem allein nicht.

Ist es nicht am Ende doch günstiger, gleich alles neu zu machen?

Selten. Ein gezielter Austausch einzelner Heizkörper kostet deutlich weniger als eine komplette Umrüstung und ist über die BAFA-Heizungsoptimierung förderfähig. Ein Komplettaustausch lohnt sich nur, wenn die Berechnung das für dein Haus wirklich zeigt.

Wie laut ist eine Wärmepumpe im Betrieb eigentlich?

Moderne Außenluft-Wärmepumpen sind bei richtiger Aufstellung so leise, dass sie im Alltag kaum auffallen. Feldmessungen zeigen, dass Umgebungslärm häufig lauter ist als das Gerät selbst. Die Positionierung im Garten oder an der Fassade macht dabei den größten Unterschied.

Was ich dir mitgeben möchte

Wenn du eines aus diesem Artikel mitnimmst, dann das: Die Frage ist nicht „Wärmepumpe oder alte Heizkörper“, sondern „welche einzelnen Heizkörper in meinem Haus brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit“. Das ist ein völlig anderes Projekt, als die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie an den Umstieg denken.

Deine Heizkörper aus den siebziger oder achtziger Jahren sind wahrscheinlich großzügiger gebaut, als du denkst. Die Wärmepumpe, die deine alte Heizung ablöst, wird nicht gegen dein Haus arbeiten, sie wird sich in das einfügen, was schon da ist, und nur dort nachschärfen, wo es nötig ist.

Es lohnt sich, diese Entscheidung jetzt zu treffen und nicht erst dann, wenn die alte Anlage im Winter den Dienst quittiert. Wer vorausschauend plant, hat Zeit für eine saubere Heizlastberechnung, Zeit für die Förderanträge und Zeit, in Ruhe zu entscheiden, statt in der Kälte improvisieren zu müssen. Genau diese Ruhe wünsche ich mir für jeden Hausbesitzer, der uns anspricht.

Wenn du wissen willst, wie das konkret bei dir aussieht: Vereinbare einen Vor-Ort-Termin mit uns. Wir schauen uns deine Heizkörper, dein Haus und deine Ausgangssituation gemeinsam an und sagen dir ehrlich, wo du stehst.

„Wir denken in Systemen, nicht in Produkten. Auch deine alten Heizkörper gehören dazu.“

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